Gute Saat für Kiel

Informationen zur Kampagne "Gute Saat für Kiel"

Das Projekt

Dies ist die Informationsseite von”Gute Saat für Kiel”. Die Kampagne wurde 2011 von den Gewinnerinnen des geteilten 1. Preises des Stadtwerke Kiel Umweltpreises 2010 getragen:

Initiative “Kiel im Wandel”: www.kielimwandel.de

und der Bürgerinitiative gentechnikfreies Schleswig-Holstein: www.gentechnikfrei-sh.de

Nachfolgend der Bewerbungstext:

Bewerbung der Initiative „Kiel im Wandel“ um den Stadtwerke Kiel Umweltpreis 2010 „Keine Gentechnik auf Kieler Tellern”

Gute Saat für Kiel

„Kiel im Wandel” bewirbt sich mit dem Projekt „Gute Saat für Kiel – Aktion für Säen und Ernten auf Fensterbank, Balkon und Hinterhof” um den Stadtwerke Kiel Umweltpreis 2010 “Keine Gentechnik auf Kieler Tellern”.

„Kiel im Wandel” setzt sich in allen Lebensbereichen für eine stärkere Regionalisierung ein. Ziel ist die Versorgung aus der Region, welche für die Landwirtschaft auch das Saatgut mit einbezöge. Industrielle Landwirtschaft, Gentechnik und weitere technikzentrierte Verfahren in der Landwirtschaft sind erdölintensiv und damit nicht zukunftsorientiert. Sie sind keine Lösung für die Gewährleistung der lokalen oder weltweiten Ernährung, heißt es sinngemäß auch in dem von der Weltbank und UN finanzierten Weltagrarbericht 2008.

Wir möchten mit den Kieler Bürgerinnen und Bürgern unsere Beziehung zur Nahrung stärken, denn nur wer einen Bezug zur Nahrung hat, weiß ihren Wert zu schätzen und setzt sich für deren Erhalt und Schutz ein. Es gilt die Sortenvielfalt zu bewahren und Landwirtschaft mit weniger Pestiziden, Kunstdünger und ohne Gentechnik zu betreiben. Die Nahrungsmittelerzeugung in der Stadt macht uns ein Stück weit unabhängig von gekaufter Nahrung und verbindet uns mit unserem Wohnumfeld, erdet uns. Unser Konzept sieht vor, Saatgut kostenlos zu verteilen, das in Deutschland in kleinen Betrieben ohne gentechnische Methoden erzeugt wurde. KielerInnen säen zu Hause, vor ihrer Tür oder auf der Fensterbank. Es werden einfach zu kultivierende Pflanzen sein, damit alle erfolgreich ernten können. Wer zudem z.B. seinen Salat nicht erntet, sondern wartet bis er blüht und Samen trägt, ist selbst Vermehrer und kann nächstes Jahr sein eigenes Saatgut an andere weitergeben. So funktioniert eine Mini-Landwirtschaft, im Geben und Nehmen.

Gärtnerinnen und Biologinnen aus unseren Reihen sind kompetente Ansprechpartnerinnen für die Hintergründe zu Saatgut und Gentechnik sowie für die Anleitung zum Säen und Pflanzen. Die Saatgutausgabe erfolgt für alle gut erreichbar auf den Wochenmärkten der Stadtteile. Wir möchten verschiedenste Menschen ansprechenen: Den Rentner mit Balkon, die Ärztin mit Fensterbank, die Kneipe mit Hinterhof, Schulklassen, Reihenhausbesitzer usw. … Alle können mitsäen, mitdenken und Zukunft gestalten. Veranstaltungen zu den Themen Saatguterzeugung, Gemüseanbau in Europa, Gentechnik etc. sind parallel zur Aussaataktion geplant.

Derzeit gelangt Gentechnik indirekt auf Kieler Teller, über Nahrungszusatzstoffe und in Form tierischer Nahrungsmittel, wenn die Tiere mit Gentechnikmais oder -soja gefüttert wurden. Hierüber gibt es Informationen und wer Bescheid weiß, kann dem ausweichen, z.B. mehr Gemüse essen oder biologische Produkte wählen. Mit der Zulassung der Gentechnik-Kartoffel Amfora 2010 wurde nun eine Grenze überschritten, denn Kartoffeln sind Grundnahrungsmittel. Die Sorte Amflora ist zwar nur für die Industrieproduktion vorgesehen, vor dem Hintergrund jedoch, dass bereits mehrfach Verunreinigungen bei Mais, Reis und Leinsamen erfolgten, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Die Erhaltung des Reinheitsgebotes für Saatgut ist daher elementar.

Nicht ganz so bekannt sind derzeit laufende Patentanträge, die Gensequenzen von Pflanzen und Tieren beschreiben, ohne gentechnische Veränderung durchzuführen. Diese Patente sollen der Aneignung ganzer Produktionsketten dienen, wenn sie erteilt werden, zahlt der Verbraucher mit jedem Broccoli und jedem Schweinesteak Patentgebühren an die Firma Monsanto. Die freie Züchtung wird dann durch Reglementierungen der Patentinhaber erschwert und verteuert. Weltweit sind durch diesen Umgang mit unserer Nahrung die kulturell spezifische Ernährung, Kulturpflanzen und Haustiere sowie jahrtausendealte Züchtungsrechte bedroht. Unser Aussaatprojekt möchte einen Denkanstoß dazu geben und bewusst machen, wie wichtig Reinheit und Freiheit des Saatgutes sind.

Für Saatgut und Öffentlichkeitsarbeit eines Projektes, welches das ganze Stadtgebiet umfasst, ist mehr Geld erforderlich, als unserer Gruppe z.Zt. zur Verfügung steht. Das Projekt würden wir daher nur im Falle einer Prämierung durchführen können. Aufgrund des fachlichen und kreativen Potentials unserer Gruppe steht die Organisation und Durchführung dieses Projektes auf sicherem Fundament.

Kiel im Wandel

Die Transition Town Bewegung (1), der sich Kiel im Wandel zugehörig fühlt, reagiert auf die Herausforderungen (2) durch Klimawandel und Peakoil (3). In den letzten 100 Jahren haben wir etwa die Hälfte des weltweit vorhandenen Erdöls verbrannt und dadurch den Klimawandel angeheizt. Die „Kiel im Wandel” bewegenden Fragen sind: Wie werden wir in Zukunft ohne Öl leben? Wie sollen wir mit dem zur Neige gehenden Öl umgehen? Wie werden wir unsere Stadt gestalten?

Eine Energie- und Kulturwende steht bevor. Transportwege und Konsum werden sich verändern, müssen kürzer und bescheidener werden. Das Wissen wird global, aber die Lebenszusammenhänge regional sein. Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels (engl.: transition), einem Übergang in ein erdölreduziertes Zeitalter. Unsere Gestaltungskraft und Phantasie werden es uns ermöglichen einen neuen Lebensstil zu finden. Dies geht nur gemeinschaftlich und solidarisch.

Die Reaktionsfähigkeit und Widerstandskraft jedes Einzelnen und der Gemeinden gegenüber globalen Veränderungen aufgrund der Energieverknappung kann durch Regionalisierung gestärkt werden. Eine Produktion vor Ort schafft Arbeitsplätze, und macht uns unabhängiger von Transportwegen. Gemeinsames Nutzen von Maschinen, Werkzeugen, Verkehrsmitteln etc. schont Ressourcen. Die regionale Landwirtschaft, auch der Anbau im städtischen Bereich, ergänzt unsere Ernährung. Gemeinsames Handeln bringt sozialen Zusammenhalt und Integration von Generationen und Kulturen. Wir werden uns an anderen Werten orientieren und eine neue Lebensqualität haben.

Je früher wir Strategien finden mit weniger Erdöl auszukommen, desto gelassener können wir der Zukunft entgegensehen.

(1) Im Rahmen der Transition Town Bewegung (etwa „Bewegung für eine Stadt des Übergangs“) versuchen seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Angesichts schwindender Rohstoffe und negativer ökologischer Auswirkungen der Globalisierung steht die Idee des „einfachen Lebens“ im Vordergrund. Dies bedeutet die Stärkung der regionalen bzw. lokalen Wirtschaft sowie Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Selbstversorgung. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch allgemein-gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, so effizient und energiesparend zu funktionieren wie natürliche Ökosysteme.

Hintergrund der Transition Town Bewegung ist die Befürchtung und Kritik daran, dass die jeweilige nationale Politik nicht durchgreifend genug auf die Herausforderungen des Klimawandels und der bevorstehenden Überschreitung des globalen Ölfördermaximums („Peak Oil“) reagiert. Daher müssen die Kommunen von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren. Hierzu gehören u.a. Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauchs fossiler Energieträger sowie die Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft.

in Anlehnung an: http://de.wikipedia.org/wiki/Transition_Towns

(2) Die durch „PeakOil“ und Klimawandel bedingten Herausforderungen müssen dazu führen, dass die unter der Bedingung billiger fossiler Energie entstandenen Infrastrukturen und Verhaltensweisen hinterfragt werden. Diese Infrastrukturen umfassen neben der Energieversorgung das Verkehrswesen, die Siedlungsstruktur, die regionale Verteilung und das Ausmaß der Güterproduktion und die Landwirtschaft.

in Anlehnung an: http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?PowerDown

(3) Peak Oil ist ein Fachausdruck aus der Erdölindustrie und kann mit „globales Produktionsmaximum von Erdöl“ übersetzt werden. Jedes Erdölfeld und auch jedes Erdölland besitzt ein Produktionsprofil, das mit „Null“ beginnt, auf ein Fördermaximum (Peak) ansteigt, und mit der Zeit wieder auf „Null“ zurückgeht, ohne Ausnahme. Die Welterdölproduktion ist in den letzten 150 Jahren stets angestiegen, wird aber in Kürze den Peak Oil erreichen und danach wieder auf „Null“ absinken. Auch nach dem Peak gibt es noch Erdöl, aber von Jahr zu Jahr weniger. Das Erreichen des globalen Peak Oil wird nicht nur den Erdölpreis sondern die ganze Gesellschaft fundamental verändern.

in Anlehnung an: http://www.peakoil.ch/

Gute Saat für Kiel läuft unter Wordpress 3.0.5
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